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DAS DEHON-HAUS IN OBERHAUSEN

"Erziehung ist keine Privatsache"

Pater Ernst-Otto Sloot über die Gewalt unter Jugendlichen

Noch immer wirkt in uns die Nachricht von der Bluttat am Bahnhof in München-Solln nach. Kurz darauf dann ein Amoklauf an einer Schule im bayerischen Ansbach. Wie kommt es zu dieser Gewalt unter Jugendlichen? Was kann jeder von uns tun – für mehr Sicherheit, für mehr Zivilcourage?

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ unterrichtet am Hans-Sachs-Berufkolleg in Oberhausen Religion und Deutsch. Somit arbeitet er an einem Brennpunkt, er kommt mit Jugendlichen in Kontakt, die auffälliges Verhalten und Gewaltbereitschaft zeigen – einige von ihnen saßen bereits im Gefängnis. Im Interview erklärt er, was solchen Jugendlichen heutzutage fehlt

Die Meldungen von Amokläufen und der generellen Jugendkriminalität vermitteln den Eindruck, man müsse sich an Schulen heute fürchten. Wie erleben Sie es in ihrem Alltag als Lehrer: Spielt Gewalt eine Rolle?

Ja. Ich habe ganz unmittelbar mit Jugendlichen zu tun, die durch ihr Verhalten auffallen – darunter sogar Schüler mit Knasterfahrung, für die Gewalt eine wichtige Methode ist, sich kreativ auszudrücken. Je niedriger die Bildung, desto weniger finden sie die Chance, Akzeptanz zu finden. Meistens sehen sie dafür nur zwei Möglichkeiten: erstens Sex, zweitens körperliche Gewalt.

Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, legt ihre Schule einen Schwerpunkt auf Prävention. In welcher Form?

Wir Lehrer haben Schulungen absolviert, bei denen es sehr zur Sache ging. Uns wurde vorher gesagt, wir sollen Kleidung anziehen, die auch zerreißen kann. Dabei konnten wir sehr viel lernen, vor allem aber wurde uns klar, wie wenig geübt wir eigentlich sind. Da ist der Lehrer deutlich im Nachteil zum Jugendlichen, der Signale des Gegenübers sofort abchecken und reagieren kann. Der Lehrer weicht verunsichert aus, hinterlässt dem Jugendlichen ein Feld, das ihm nicht gehört.

Welche Folgen kann das haben?

Der Schüler wird diese Erfahrung häufiger machen, irgendwann erobert er die Fußgängerzone und erlebt dabei, dass Macht berauschend ist. Bei dieser Gewalterfahrung im Sinne einer Überlegenheit wird ja haufenweise Adrenalin ausgeschüttet. Für diesen Rausch gehen solche Jugendlichen regelrecht auf die Jagd und suchen ein Opfer.

So geschehen kürzlich am Bahnhof München-Solln, wo Dominik Brunner von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelt wurde.

Er konnte nicht abschätzen, dass diese Jugendlichen auf der Jagd waren. So etwas erkennt man schwer ohne geschulten Blick. Man merkt ihnen die Jagd nicht an, sie sind cool. Und sie hatten wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht, dass Erwachsene nicht einschreiten. Die Leute, die als Zeugen dabeistanden, waren in einer Schockstarre. Die meisten können mit so einer Situation schlichtweg nicht umgehen.

Kann ein solcher Vorfall Positives bewirken, weil er zum Nachdenken anregt? Wird es mehr Zivilcourage geben?

Nein. Ich halte Dominik Brunner für ein schlechtes Beispiel, weil er ums Leben kam. Das kann man keinem Menschen abverlangen, seine Zivilcourage, sein Eingreifen und Helfen mit dem Leben zu bezahlen. Ihn jetzt als Held vorzuführen, darf nicht den Eindruck erwecken, dass man sein Leben tollkühn aufs Spiel setzen soll.

Wie hätte er sich noch retten können?

Die sicherste Methode ist in solch einer Situation nur noch: erkennen, wann man weglaufen muss. Das Problem ist, dass diese Jungs überhaupt so weit gegangen sind.

Wo kann die Ursache für solch eine hemmungslose Gewalt liegen?

Die Täter kommen nicht als niederträchtige Menschen auf die Welt. Was ihnen fehlte: Erziehung. In solchen Familien gibt es meistens nichts zwischen Kuscheln, in den Arm nehmen und Verprügeln. Früher hat Erziehung auf ganz andere Art stattgefunden. Nachbarn, Busfahrer, wer auch immer, wirkten erziehend. All das waren in der Kindheit Leute, die Grenzen setzten. Und Grenzen, genau danach suchen Jugendliche ja. Leider erfahren sie sie heute oft erst, wo schon irreversible Schäden da sind. Solche Jugendlichen würden in den meisten Fällen nicht straffällig werden, wenn man ihnen vorher mal auf die Finger haut.

Gewinnen Sie diesen Eindruck an ihrer Schule?

Ich nenne ein Beispiel: An unserer Schule nehme ich heute viel weniger Gewalt wahr als etwa noch vor fünf Jahren. Weil wir früher einschreiten: Heute greife ich ein, wenn sich Schüler schräg angucken, nicht erst, wenn sie aufeinander losgehen. Wenn man geschult ist, kann man in einem frühen Stadium noch sehr gut deeskalierend einwirken. Ich sage es Ihnen, wie es ist: Man muss mit Kanonen auf Spatzen schießen. Die Jugendlichen spüren dann: Hoppla, das hat ja ein eindeutiges Ergebnis, was ich da tue! Es verwirrt sie und sie können gar nichts damit anfangen, wenn ein lächelnder Lehrer ihnen sagt: "Bitte lass das doch." Da haben die schon ganz anderes erlebt.

Sie sind ganz offensichtlich kein Fan von antiautoritärer Erziehung.

Antiautoritäre Maßnahmen sind absolutes Gift für Schüler. Von Antiautoritärer Erziehung reden meistens die, die selber keine Autorität haben, habe ich oft den Eindruck.

Die Ursache, die Sie für Gewalt nennen, ist schwer zu bekämpfen. Es klingt, als müsste man praktisch überall ansetzen?

Man kann es auf eine Formel bringen: Erziehung ist nicht Privatsache. Heute aber hält sich die gesamte Gesellschaft raus. Da heißt es immer, das Jugendamt solle in die Familien hineingehen, das ist Unsinn. Das Jugendamt muss überall präsent sein, es muss Streetworker geben usw. Es darf praktisch keine erziehungsfreien Räume geben.

Eine "öffentliche" Erziehung – das ist auch eine Form der Zivilcourage?

Ja. Die Grenzen müssen früh gezogen werden. Wenn ein Kind mir vor die Füße spuckt, muss ich es in die Schranken weisen. Sonst signalisiere ich: Dein Verhalten ist erlaubt. Leider handelt es sich aber nicht nur um Kinder, sondern eben um Jugendliche, die vielen Angst einjagen. Angst sollte man nicht vor ihnen haben. Das empfinden sie als Respektlosigkeit, denn man unterstellt ihnen damit etwas. Respekt ist das Schlüsselwort. Fragst du sie "Hast du keinen Respekt vor mir?" ist das für sie das Schlimmste – denn Respekt wollen sie auch von dir. Sie wollen sich ernst genommen fühlen. Wenn ich einem meiner Schüler eine Strafpredigt halte, dann sage ich: Mir liegt am Herzen, dass etwas aus dir wird. Aber es wird nichts, wenn du dein Verhalten nicht in den Griff bekommst. Ich gehe hart mit ihm ins Gericht. Ich mache meinen Schülern klar, dass sie die Konsequenzen für ihr Verhalten tragen. Und: Ich stoße dabei auf Gegenliebe, denn sie fühlen sich ernst genommen als Erwachsene.

Wer etwas erleben will, dem kann ich immer nur empfehlen, Berufsschullehrer zu werden. Man darf nur keine Angst haben. Keine Angst, aber Respekt.

Abschließend noch einmal eine Frage zu dem Sollner Fall an Sie als Geistlichen: Bei einem Gedenkgottesdienst am Tatort vier Tage nach der Bluttat bat der dortige katholische Pfarrer die Menschen, auch die Täter in die Gebete aufzunehmen. Ist das zu viel verlangt – oder gebietet es die christliche Nächstenliebe?

Ich halte es für unangemessen, für die Täter zu beten. Beten muss man für die Opfer, und diese Jugendlichen sind nicht die Opfer. Eine schwere Kindheit erklärt vielleicht manches, aber es entschuldigt nichts. Sie haben den Respekt verdient, als Täter und nur als Täter, bestraft zu werden.

Quelle: www.scj.de




 

Interview mit P. Teemo Sippo

scj.de: Pater Sippo, wie fühlt man sich als erster einheimischer Bischof von Finnland?

Pater Teemo Sippo SCJ: Man fühlt sich geehrt und freut sich. Zugleich bin ich etwas besorgt, wenn ich auf die Herausforderungen blicke, die vor mir liegen. Aber es überwiegen die Freude und der Gedanke, dass dies ein historischer Moment für uns ist: Endlich hat unsere Kirche in Finnland einen einheimischen Bischof!

?: Die Entscheidung des Papstes ist für ihre Landesleute sehr wichtig...

!: Absolut. Sie freuen sich, weil nun die katholische Kirche in Finnland auch ein finnisches Gesicht bekommt. Das wird die Beziehung zwischen der katholischer Kirche und den Menschen in Finnland stärken...

?: ...von denen nur etwa 10.000 Katholiken sind...

!: ...und die Hälfte davon wiederum aus fremden Ländern kommt. Deshalb muss der Bischof von Helsinki ein Bischof für alle sein. Alle gehören zur Herde und der Bischof muss für jedes Mitglied der Herde da sein.

?: Was bedeutet das für Ihre Arbeit genau?

!: Wir die einzige Diözese und repräsentieren deshalb den Papst, den Vatikan und die ganze weltweite katholische Kirche. Das bedeutet, dass der Bischof keine Kollegen hat und deshalb der einzige katholische Ansprechpartner für Politik, Medien oder natürlich auch andere Religionen ist. Ich werde also weit mehr Repräsentant sein, als das vielleicht Bischofskollegen in anderen Ländern.

?: Was bedeutet Ihre Ernennung für die Herz-Jesu-Priester? Ihre Gemeinschaft hat die katholische Kirche in Finnland 1920 wiedererrichtet, als sie ein Apostolisches Vikariat errichtet haben. Dieses Vikariat wurde 1955 zum Bistum Helsinki erhoben, das Bistum das Sie jetzt leiten.

!: Das ist wichtig, weil damit die Kontinuität gewahrt bleibt. Seit der Errichtung des Vikariats und später des Bistums haben immer Herz-Jesu-Priester die katholische Kirche in Finnland geleitet. Diese Kontinuität ist deshalb wichtig, weil die Kirche eben so plural und international ist. Ich habe als Herz-Jesu-Priester die gleiche Spiritualität wie mein Vorgänger und Mitbruder Józef Wróbel SCJ. Und das kann ein verbindendes Element für uns in Finnland sein.

?: Werden Sie auch ein verbindendes Element sein zu der Deutschen Provinz der Herz-Jesu-Priester? Schließlich gehören sie der Provinz offiziell an und waren selber mehrere Jahre in Deutschland.

!: Das wäre mein Wunsch. Ich war sehr gerne in Deutschland und habe auch immer noch gute Verbindungen dorthin. Ich bin regelmäßig dort in Urlaub gefahren. Deutschland und die deutsche Provinz unserer Gemeinschaft sind meine zweite Heimat.

Interview: Simon Biallowons, weitere Informationen unter www.scj.de




 

Das Parlament tagt

Im Rom tagt das XXII. Generalkapitel der Herz-Jesu-Priester

Ein Wahljahr ist 2009 nicht nur für die Bundesbürger, sondern auch für die Herz-Jesu-Priester. In den ca. 30 Provinzen und Regionen der Ordensgemeinschaft wurden Delegierte gewählt, die genau im Augenblick des Erscheinens dieser Ausgabe von Dein Reich Komme in Rom zum höchsten Entscheidungsgremium zusammenkommen. Alle sechs Jahre treffen sich die Abgeordneten der Dehonianer zum Generalkapitel, um zweierlei zu tun: Den nächsten Generaloberen der Ordensgemeinschaft zu wählen und grundlegende Herausforderungen und Orientierungen für die nächsten Jahre zu anzugehen.

80 Delegierte sind es dieses Mal, die vier Wochen lang in den Räumen der römischen Zentrale des Ordens diskutieren und entscheiden werden. Die meiste Zeit werden sie im Konferenzssaal verbringen, ein Raum, der eigens eingerichtet ist, um größere internationale Versammlungen zu beherbergen. Allein die Sprachunterschiede erfordern den Einsatz von mehreren Simultanübersetzerinnen. Deutsch jedoch ist keine der Sprachen, die übersetzt werden. Das bedeutet, dass die Delegierten aus Deutschland, Provinzial P. Wilmer sowie die gewählten Vertreter P. Hamelijnck und P. Faller, in einer der akzeptierten Sprachen reden müssen: Englisch, Italienisch, Spanisch oder Französisch.

Die erste Aufgabe der Delegierten wird es also sein, eine neue Generalleitung zu wählen. Diese besteht aus den fünf Generalräten und dem Generaloberen. Momentan hat dieses Amt P. José Ornelas de Cavalho aus Portugal inne. Er kann noch einmal für weitere sechs Jahre wiedergewählt werden. Gleiches gilt für die Generalräte. Die Erfahrung hat gezeigt, dass oft der Generalobere ein zweites Mal gewählt wurde, bei den Generalräten gab es jedoch immer Personalveränderungen. All dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, wie die Delegierten die Arbeit der letzten sechs Jahr bewerten. Außerdem werden sie schauen, welches Leitungsteam die anstehenden Herausforderungen ihrer Meinung nach am besten bewältigen kann.

In einem Beitrag für die ordenseigene Zeitschrift „Dehoniana“ hat sich P. José Ornelas de Cavalho in der Vorbereitung des Generalkapitels an die Mitglieder der Ordensgemeinschaft gewandt: „In Zeiten großer Entscheidungen muss man sich den wahren Motivationen zuwenden“, schreibt er darin. Für den Generaloberen steht die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester vor einmaligen Veränderungen, vor allem diese: „die wachsende geographische und kulturelle Vielfältigkeit der Kongregation, oder sehr vereinfachend ausgedrückt: die Verlagerung zur Südhälfte des Planeten.“ Die europäischen Ordensprovinzen haben zwar die Geschichte der Herz-Jesu-Priester geprägt, doch sind sie zahlenmäßig stark im Rückgang, während Lateinamerika, Afrika und Asien immer stärker werden. Das ist nicht nur ein Zahlenproblem. Bisher waren das Nachdenken über die ordenseigene Spiritualität, der Leitungsstil innerhalb des Ordens, die Planung der Ausbildung und die Organisation der Kommunitäten sehr europäisch geprägt. Ehemalige Missionsländer schicken mittlerweile Mitbrüder nach Europa. Viele von Europa abhängige Gebiete werden selbständig. Viele Veränderungen stehen an: „Ich bin nicht überzeugt, dass unsere Kongregation als Ganze sich dieser Realität und ihrer Bedeutung bewusst ist. Gleichwohl ist diese Entwicklung entscheidend zum Verstehen der Gegenwart und vor allem für die Entwicklung zukunftsfähiger Perspektiven.“

Bevor die Mitbrüder auf dem Generalkapitel konkrete Entscheidungen treffen, sollen sie laut P. General anhand des gewählten Mottos in sich gehen „Die Liebe Christi drängt uns“ – dieser Satz des Apostels Paulus aus dem zweiten Brief an die Korinther wurde für das Generalkapitel als Titel gewählt. P. Ornelas de Cavalho, selbst Bibelwissenschaftler hat sich diesen Satz des Apostels Paulus näher angeschaut und kommt mit Blick auf die Ordensgemeinschaft zu folgendem Ergebnis:

„Der paulinische Text, der uns als Motto für das Generalkapitel vorgestellt wurde, kann uns auf der Suche nach ... neuen Wegen inspirieren, indem er auf drei grundlegende Punkte aufmerksam macht, wenn wir auf das Heute Gottes und die Anrufe der Welt antworten möchten: Die Zentralität Christi, der unser Herz mit seiner Liebe verwandelt; das brüderliche Leben, dass sich der multikulturellen Realität der Kongregation öffnet; die Universalität der Liebe Gottes, die uns zu allen Rassen und Kulturen aussendet.“

Die Konsequenzen, die der Ordensobere der Dehonianer aus dieser Einsicht gewinnt, decken sich zu einem großen Teil mit den Ergebnissen der Vorbereitungskommission des Generalkapitels. Diese hatte im Vorfeld des Generalkapitels alle Mitbrüder der Kongregation um ihren Beitrag gebeten, indem ihnen Fragebogen vorgelegt wurden. Dies sind nun die Schwerpunkte, um die sich das Generalkapitel kümmern wird.Wie kann die Errichtung von internationalen Kommunitäten in Zusammenarbeit mehrerer Provinzen mit mehr Kreativität angegangen werden?Wie kann die Jugend- und Berufungspastoral zukünftig noch mehr Beachtung finden?Wie sollen wir mit der Überalterung und dem mangelndem Nachwuchs in einigen Provinzen umgehen?Wie können Provinzen und Regionen unserer Kongregation ökonomisch selbständig werden und nicht permanent von anderen abhängig sein?
Welche Formen neuer Armut gibt es in der globalisierten Welt und wie antworten wir darauf?
Was bedeutet es, Dehonianer in einer säkularisierten bzw. atheistischen Gesellschaft zu sein? Wenn wir nicht neue Wege für unser Charisma finden, laufen wir Gefahr, eine Randerscheinung zu werden – eine Erfahrung, die die Kirche bereits in zahlreichen europäischen Ländern macht

Natürlich sind die Delegierten auf dem Generalkapitel frei, diesen Themen zu folgen oder ganz andere auf die Tagesordnung zu setzen. Doch die zwei Schwerpunkte scheinen ausgemacht: Eine starke Aufforderung, dass sich die Patres und Brüder als Einzelne und als Kommunitäten verstärkt jener Motivation zuwenden, die wichtiger und innovativer als alle anderen ist: „Die Liebe Christi drängt uns“. Und zweitens wird das Generalkapitel vermutlich die Ordensgemeinschaft auf eine Zeit noch größerer internationaler Zusammenarbeit und kultureller Vielfältigkeit vorbereiten. Die „multikulturelle Gesellschaft“ ist in der Kongregation der Herz-Jesu-Priester längst Realität. Und nicht nur in diesen Tagen, da sich die Delegierten aus 30 Ländern in Rom zum Generalkapitel treffen.




 
 

Es gibt wieder eine klösterliche Niederlassung mehr in Oberhausen: Das ehemalige Pfarrhaus St. Michael ist das neue Domizil der drei Herz-Jesu-Priester, die sich in der Ruhgebietsstadt aktuellen pastoralen Herausforderungen stellen wollen. Die Patres der Ordensgemeinschaft der Dehonianer (SCJ) nennen ihre neue Lebens- und Wirkungsstätte „Dehon“-Haus.

Die Dehonianer-Patres Gerhard Valerius (60), Ernst-Otto Sloot (40) und Stefan Tertünte (39) gehören dem von Leo Dehon gegründeten Orden an. Die deutsche Provinzleitung der Herz-Jesu-Priester hat sich in einem mehrjährigen Prozess trotz schwieriger Personalsituation zu dieser in der heutigen Zeit eher selten gewordenen Neugründung entschlossen. Sie ist stark überzeugt davon, dass es neben den großen Klöstern der Gemeinschaft im Emsland (Gymnasium Leoninum), Neustadt/Weinstraße (Exerzitien- und Bildungshaus), Maria Martental (Jugendhof und Wallfahrtsort) und Freiburg (Ausbildungshaus) auch kleine, städtische Kommunitäten geben muss. Das gemeinschaftliche Leben glaubwürdig zu pflegen und auf aktuelle pastorale Herausforderungen zu reagieren, das ist der Auftrag, den die drei Patres mit auf den Weg bekommen haben.

Bischof Dr. Felix Genn hat die Ordensmänner von Anfang an ermutigt, in das Ruhrbistum zu kommen. Dieses Ansinnen kam den Dehonianern entgegen, da deren Gründungsgeschichte eng mit der kirchlichen Soziallehre und dem Einsatz für die Arbeiterschaft in der aufkommenden Industrialisierung des 19. Jahrhunderts zusammenhängt. Nach zahlreichen Gesprächen mit Vertretern des Bistums und des Stadtdekanates Oberhausen wurden die Weichen für die Neugründung der Kommunität gestellt.

Pater Gerhard Valerius wird Meditationskurse, Exerzitien, Leib-Seele-Übungen auf Grundlage der RAB-Schule nach Scharing (früher Eutonie) sowie geistliche Begleitung anbieten. Pater Sloot erteilt am Hans-Sachs-Berufs-Kolleg Religionsunterricht, während Pater Tertünte das Team im ökumenischen Kirchenzentrum in der Neuen Mitte Oberhausen verstärkt. Über diese Arbeitsbereiche hinaus werden die Patres als Subsidiare in der Gemeinde St. Marien Oberhausen sowie in den örtlichen Pfarreien mithelfen. Dennoch soll noch ausreichend Zeit und Energie bleiben, damit das Dehon-Haus durch verschiedene Initiativen zu einem Haus offener, geistlicher Begegnung wird.







 

Paulusjahr 2008/09 im Dehon-Haus

Zum Paulusjahr; 29.Juni 2008 – 29.Juni 2009

Soll die Frau in der Kirche den Mund halten? Das kann und soll ja wohl nicht! Paulus soll das gefordert haben (vgl. 1 Kor 14,35). Hat er aber nicht: bibelwissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dieses Wort nicht von Paulus stammt, sondern eine spätere Einfügung ist. Es würde auch gar nicht zu ihm passen.

Denn gerade Paulus arbeitet immer mit Frauen zusammen, z.B. mit Priszilla, die zusammen mit ihrem Mann Aquila Mit-Missionarin mit Paulus ist (vgl. Apg 18, 2.18.26). Und bei dem entscheidenden ersten Schritt auf europäischen Boden ist es die Purpurhändlerin Lydia (vgl. Apg 16,14.40), die den Völkerapostel aufnimmt. Sie und ihre Hausgemeinschaft sind die ersten Europäer, die sich taufen lassen.

Den entscheidenden Schritt von Kleinasien nach Europa, aus dem Judentum auf die Heiden zu verdanken wir Paulus. Als „Völkerapostel“ wird er zu Recht gerühmt, und zu seiner Würdigung hat Papst Benedikt XVI. ein Paulusjahr ausgerufen und feierlich eröffnet.

Die Berichte von den strapaziösen Reisen und den teilweise gefährlichen Unternehmen des Paulus sind immer noch beeindruckend. Nicht weniger beeindruckend sind seine theologische Höhe und geistliche Tiefe. Man muss aber gut hinhören, wenn man in dem Aktivisten Paulus auch den Mystiker Paulus wahrnehmen will. Seine Beziehung zu Christus darf man mit Fug und Recht als „Christusmystik“ bezeichnen.

Dabei ist er für uns von besonderem Interesse; denn er hat etwas Bedeutsames mit uns gemeinsam: Auch Paulus hat den Jesus von Nazareth persönlich nicht gekannt! Auch er lebt und kündet aus der Erfahrung des auferstandenen und fortlebenden Christus. Können wir bei ihm in die Schule gehen?

Neben vielen anderen Möglichkeiten lade ich zu folgendem Versuch ein, nämlich zu

Exerzitien im Alltag mit dem Heiligen Paulus:

„Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)

Die Exerzitien dauern 5 Wochen: 24. Oktober – 28. November 2008. Die TeilnehmerInnen halten täglich eine halbstündige Betrachtung zu Hause und treffen sich einmal in der Woche zum Austausch. Dabei bekommen sie auch die Betrachtungsanregungen für die nächste Woche.

Erstes Treffen: Freitag, 24. Oktober 2008, 17.00 – 18.30 Uhr. Die weiteren Treffen werden dann vereinbart. Vorschlag: freitags 17.00 – ca. 19.00 Uhr.
Kosten: 15,-€, Ort: Dehon-Haus

Begleitung, Info und Anmeldung:
Pater Gerhard Valerius SCJ, Dehon-Haus, Falkensteinstr. 234, 46047 Oberhausen
Tel.: (0208) 62069828, e-mail: gerhard.valerius@scj.de