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BESINNUNG AUF 2000 METERN HÖHE |
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Seit mehreren Jahren fahre ich mit Schülern und Schülerinnen der Stufe 12 unseres Gymnasiums im Emsland zu Besinnungstagen in die französischen Alpen – so auch in diesem Oktober. Auf dem Weg von Genf nach Chamonix haben wir Herz-Jesu-Priester dort ein sehr einfaches Selbstverpflegerhaus, das sich für solche Unternehmungen anbietet.
Warum so weit? Warum dort?
Sieben Tage Wandern in den Bergen, sieben Tage enges Zusammenleben in der Hütte, die wahrlich einfach eingerichtet ist. Für viele Teilnehmer ist es das erste Mal überhaupt in den Bergen.
Erfahrungen mit sich selbst, Erfahrungen mit Anderen, Erfahrungen mit der Natur und in alledem Erfahrungen mit Gott, dies sind die Eckpunkte, die auf über 1000 Meter Höhe angezielt werden.
In der Regel gibt es täglich eine Wanderung, vorher und hinterher eine inhaltliche Einheit: Grenzerfahrungen, Unterstützung bekommen und geben, als Gemeinschaft stark sein, Wander- und Bergerfahrungen in der Bibel, das sind einige der Themen.
„Ich wusste gar nicht, dass die soviel reden kann“, „Den habe ich ja noch nie so erlebt wie hier“ – Wer so eng zusammenlebt wie in dieser Woche, lernt die anderen Mitschüler oft überraschend neu kennen. Bilder vom Anderen sind immer nur vorläufig.
„Ich hab’ gedacht, ich sterbe, aber es ging doch“, „Wozu man alles in der Lage ist“ – Überraschende Einsichten gibt es auch über die eigenen Grenzen – und auch diese sind offensichtlich nicht immer dort, wo man sie vermutet.
Der Abschlussgottesdienst: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“, „Er lässt deinen Fuß nicht wanken, er, der dich behütet, schläft nicht“, „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil“ – Psalmworte, von den Schülern ausgewählt, klingen im Kerzenlicht durch die kleine Kapelle und jeder ist eingeladen darüber nachzudenken, was er oder sie aus diesen Tagen mit nach Hause nehmen will.
Ich selbst gehe angerührt und beschenkt aus solchen Tagen. Es ist ein Wunder, zu sehen, wie Tag um Tag die Einzigartigkeit und Liebenswürdigkeit jedes Teilnehmers deutlicher wird. Und dass wir helfen dürfen, eine Erfahrungsvielfalt zu ermöglichen, die diese Schüler nicht in den Bergen zurücklassen, sondern als Schatz mit nach Hause tragen.
„Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen“ (Genesis 22,14) – im Zusammenwachsen der Gruppe, in den Fähigkeiten jedes Einzelnen, im Wind und in der Stille der Berge, im grenzenlosen Panorama des Gipfels und wenn abends alles Erlebte im Gebet um die Flamme einer kleinen Kerze zusammenfließt.
P. Stefan Tertünte SCJ
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